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Mi 1. 21:45 |
The Buried Forest - Umoregi
Regie: Kohei Oguri, Japan 2005, OV/d/f, 93

In einer kleinen Stadt nahe der Berge besucht Machi die Mittelschule.
Sie steckt in einem Alter, in dem das Leben noch eine klarere Richtung
erfahren wird. Zusammen mit ihren Freundinnen sitzt sie zusammen, um spielerisch
in Geschichten einzutauchen, die sie sich erzählen. Wirklichkeit
und Geschichten beginnen sich zu durchdringen, die Grenzen lösen
sich auf, und Kohei Oguri lädt uns ein, in seine eigenwillige Bilderwelt
einzusteigen.
Geschichten erzählen heisst immer auch, Welten erfinden. Die Geschichten
mögen sich aus der Wirklichkeit nähren, aber wenn sie uns anderswo
hinführen wollen, dann werden sie die Realität hinter sich lassen
und sich ihre eigene Wirklichkeit schaffen. Für den Japaner Kohei
Oguri sind es Bilder, die andere Welten öffnen. In seinem letzten
Spielfilm Sleeping Man hat er einen Mann einen Film lang «schlafen»
lassen, um seine schiere Präsenz als Provokation für die anderen
zu nehmen und als Anreiz dafür, sich Gedanken übers Leben zu
machen. Hier nun, in Umoregi, was übersetzt etwas soviel wie der
verborgene Baum heisst, lädt er uns auf eine ausgeklügelte Bilderreise
ein, in der immer unklarer wird, wo nun die Realität der Geschichte
liegt und wo die Ebene der Erzählung. Es ist eine Art «zukünftige
Geschichte», die er vor uns ausbreitet, eine Geschichte, die sich
uns öffnen kann, bei dem uns vieles aber auch verborgen bleiben dürfte.
Die Bilder, sagt Kohei Oguri, sprechen uns sehr direkt an und folgen nicht
der Logik der Wörter. Wir alle haben die erzählte Mitwelt zunächst
über Bilder und Töne erfahren, indem wir als Kinder Bilder-bücher
anschauten oder Geschichten lauschten. Im Prinzip versucht der Japaner
es mit seinem jüngsten Film, uns ins Erzählen von Geschichten
zu entführen und, hoffend, dass wir darin eintauchen, uns ein Bilder-buch
zu öffnen. Es ist ein prachtvolles Bilderbuch mit bis ins letzte
hinein komponierten Bildern, atemberaubend ausgeleuchtet mitunter, auch
in den Schatten faszinierend und in verborgene Details hinein. Es ist
ein Bilderbuch aber auch, das uns spürbar macht, wo wir den kindlichen
Blick hinter uns gelassen haben und uns an ganz anderen Zeichen orientieren.
Mir scheint, dass Oguri uns mit diesem Film provozieren will, uns nur
auf seine Bilder einzulassen und auch ihre Fremdheit als solche zu akzeptieren.
Walter Ruggle - Trigon-Film
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